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Wenn die Kröte krank ist
Wir beschränken uns auf eine Beschreibung der Krankheiten, die wir an unseren
Tieren schon erlebt haben. Im Zweifel sollte man immer zum Tierarzt gehen, und
zwar zu einem, der sich mit Schildkröten auch auskennt. Eine Liste kompetenter Tierärzte gibt es
hier.
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Panzernekrose
Im August 2000 haben wir unser Weibchen aus einem Zooladen "gerettet". Eigentlich
hätten wir sie gar nicht mitnehmen sollen, da sie nicht gesund aussah, aber das Mitleid
war größer. Wir haben also über die offensichtlich verpilzten Nagelbetten, zwei fehlende
Krallen an den Vorderfüßen und eine Nekrose am Plastron hinweggesehen und das Tier gekauft.
Nekrosen sind Gewebeschäden, die durch das Absterben von Zellen entstehen. Sie werden
verursacht durch Bakterien, die durch kleine Verletzungen durch die Hornschilder
des Panzers bis in die darunter liegende Gewebeschicht vordringen. Auf dem Panzer
sind helle Flecken zu sehen, im fortgeschrittenen Stadium auch Löcher.
Bei dem Verdacht auf Nekrose muss ein Tierarzt aufgesucht werden. Dieser
entfernt die über der betroffenen Stelle liegenden Hornschilder und das nekrotische
Gewebe. Anschließend wird die Wunde desinfiziert.
Der Heilungsprozess ist sehr langwierig. Das Tier muss für einige Wochen
möglichst trocken gehalten werden, es kommt nur einmal täglich zum Füttern ins
Wasser. Nach der Fütterung wird die Schildkröte in einer verdünnten
Kaliumpermanganatlösung gebadet und abgetrocknet. Die Wunde kann z.B.
mit Panalog-Salbe behandelt werden. Diese Salbe haben wir auch für die verpilzten
Nagelbetten verwendet. Sie ist nach unserer Erfahrung
nicht wasserlöslich und muss nach ein paar Stunden vom Panzer abgewischt werden.
Ansonsten gelangt keine Luft an die Wunde, und beim nächsten Bad auch kein
Kaliumpermanganat.
Bei unserem Tier war nach etwa 6 Monaten die betroffene Stelle kaum noch zu
erkennen.
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Erkältung
Schildkröten können sich erkälten, und so eine Erkältung kann sich schnell zu einer
Infektion der Atemwege und zu einer Lungenentzündung ausweiten, an der letztendlich
viele Tiere sterben. Die Symptome für eine einfache Erkältung sind
Ausfluss aus der Nase und allgemeine Apathie. Unser erkranktes Tier mochte das Land
nicht mehr verlassen und hat ständig gegähnt, was ein Zeichen für eine Atemwegserkrankung
ist. Dazu muss man sagen dass Schildkröten schon ab und zu gähnen, das ist normal, aber
wenn sie ständig (mehrmals stündlich) gähnen muss man genauer hinsehen.
Bei einer Erkältung muss das Tier möglichst warm gehalten werden, Wasser- und Lufttemperatur
sollten erhöht werden damit das Immunsystem des Tiers aktiviert wird. Vorsichtshalber sollte
ein Tierarzt aufgesucht werden, in jedem Fall sofort wenn es Probleme mit der Atmung gibt
(Pfeifgeräusche, Knacken), wenn die Augen geschwollen sind oder wenn das Tier die Nahrung
verweigert. Der Tierarzt kann für die Diagnose einen Abstrich aus dem Rachen entnehmen.
Je nach Schwere der Erkrankung wird ein Antibiotikum verordnet, was normalerweise mindestens
eine Woche lang täglich injiziert werden sollte.
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Ertrinken
Sumpfschildkröten sind Lungenatmer und müssen an die Oberfläche kommen, um Luft zu
holen. Wenn ihnen das nicht gelingt, weil sie erschöpft sind oder sich eingeklemmt haben,
ertrinken sie. Sie können allerdings relativ lange ohne Sauerstoff auskommen, bevor irreversible
Schäden entstehen. Bei einer Schildkröte die auf den ersten Blick tot aussieht besteht Hoffnung
dass sie sich wieder erholt. Um das Wasser aus der Lunge zu bekommen muss man erste Hilfe leisten:
- Der Hals muss möglichst langgestreckt werden, d.h. der Kopf sollte nicht eingezogen sein.
- Die Schildkröte wird kopfüber gehalten und das Maul wird geöffnet, dabei soll das Wasser abfließen
- Die Schildkröte wird auf eine flache Unterlage gelegt und es wird versucht das Wasser aus der Lunge
zu pumpen. Dazu werden die Vorderbeine langgezogen, und anschließend in den Körper geschoben. Die
Beine dürfen dabei in den Gelenken nicht abgeknickt werden. Das wird so lange wiederholt bis
kein Wasser mehr abfließt.
Im Anschluss an diese Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte man einen Tierarzt aufsuchen, der die Schildkröte
beatmen kann bis sie wieder Lebenszeichen zeigt.
Wir haben bereits erlebt dass sich eine Schildkröte, die wirklich tot aussah, wieder erholt hat.
Wir kamen eines abends nach Hause, und das Weibchen lag auf dem Boden
des Aquaterrariums, alle viere von sich gestreckt, Augen weit offen.
Wir haben sie erstmal ins trockene gebracht, aber sie rührte sich nicht mehr.
Die Gliedmaßen waren völlig schlaff. Wir kannten damals die Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht und wußten
auch nicht recht was passiert war. Wir sind dann dem Ratschlag
eines erfahrenen Schildkrötenhalters gefolgt und haben das Tier auf einer Schräge mit dem Kopf nach unten
gelagert. Eine Wärmelampe durfte nicht eingesetzt werden, da sich dadurch die Flüssigkeit in der Lunge ausgedehnt hätte.
Die Schildkröte rührte sich den ganzen Abend nicht mehr, nur zwei oder dreimal riß
sie das Maul ganz weit auf. Das sah aber eher nach der letzten Zuckung als
nach einem Lebenszeichen aus. Wir haben das Tier dann in eine Pappschachtel gelegt,
da wir beide nicht mehr hinschauen mochten, und haben es quasi abgeschrieben.
Am nächsten Morgen wollten wir noch einen letzten Blick auf die tote Kröte werfen,
aber da hatten wir uns getäuscht. Sie konnte zwar nicht mal den Kopf haben, hat
aber wieder Lebenszeichen gezeigt.
Wir haben das Tier noch ein paar Tage trocken gehalten, da es kaum den
Kopf heben konnte. Nach 5 Tagen war unser Weibchen dann wieder ganz die Alte. Wie das ganze passieren konnte
ist uns bis heute ein Rätsel, eigentlich wäre es kein Problem gewesen zur Oberfläche zu gelangen.
Die Erste-Hilfe-Maßnahmen können auch bei Valerie Haecky nachgelesen werden.
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